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Letzte Änderung: 07.06.10

Marcel Ophüls / Filmmuseum

Marcel Ophüls
28. Mai bis 11. Juni 2010

Filmmuseum, Augustinerstraße 1, 1010 Wien, T +43/1/533 70 54
www.filmmuseum.at


Der Regisseur und Autor Marcel Ophüls ist eine überragende Persönlichkeit des dokumentarischen Kinos. Seit Ende der 1960er Jahre realisierte er einige der einflussreichsten Dokumentarfilme überhaupt, von denen Meisterwerke wie Le Chagrin et la pitié (1969), The Memory of Justice (1976), Hôtel Terminus (1988) und Veillées d’armes - The Troubles We’ve Seen (1994) ­lediglich die bekanntesten sind. Diese mehrstündigen, vielstimmigen filmischen Panoramen haben das Verständnis von audiovisueller Geschichtsschreibung und die Bedeutung des „Wirklichkeitskinos“ nachhaltig ­verändert - bis heute zehren unzählige dokumentarische Nachfolgeformen davon, ebenso wie das populäre Politkino.


Marcel Ophüls gilt als ein Verfechter des kritischen Gedächtnisses, der tief in die Archive gestiegen ist, um das Erbe der Diktaturen des 20. Jahrhunderts mit der Gegenwart in ­Beziehung zu setzen; dem die aktuelle Bedeutung der Geschichte ebenso wichtig war wie die Wahrheit der Vergangenheit. Ophüls hat den investigativen Journalismus mit der Kunst des großen Kinos verbunden: Seine Filme verblüffen durch gedanklichen Reichtum und ihre Opulenz, durch die virtuose Montage, die wunderbar leichthändige Kombination einer Vielzahl von Quellen und nicht ­zuletzt durch seine legendäre Interview-Technik (Ophüls agiert oft selbst vor der Kamera). Ausgehend von den Möglichkeiten der oral history bleiben seine „Dokumentarfilm-Marathons“, wie er sie selbst genannt hat, in jeder Minute überraschend und verwandeln noch komplexeste historische Stoffe in aufregende crime stories.

Wenn man seine Filme zusammen denkt, wird eine einzigartige Chronik der politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts sichtbar - eine leidenschaftliche, der Aufklärung wie dem Entertainment ­verpflichtete Geschichte-Erzählung, die unermüdlich das Verhältnis von Gesellschaft und Individuum zur Darstellung gebracht hat: geprägt von immenser moralischer Klarheit, lesbar nicht zuletzt als Pamphlet gegen die falsche Cleverness und den komplizenhaften Zynismus der Zeit. (Constantin Wulff)


Programm:
A Sense of Loss (1972)
Auf der Suche nach meinem Amerika (1970)
Hôtel Terminus. The Life and Times of Klaus Barbie (1988)
Hundert Jahre ohne Krieg! / Munich ou la paix pour cent ans (1967)
Le Chagrin et la pitié (The Sorrow and the Pity) (1969)
Novembertage / November Days (1990)
The Memory of Justice (1976)
Veillées d'armes - The Troubles We've Seen (1994)

Eine gemeinsame Veranstaltung des Österreichischen Filmmuseums mit Navigator Film, ­unterstützt vom Fachverband der Film- und Musikindustrie und der ERSTE BANK.